Blattbewegungen der Mimose

Blattbewegungen der Echten Mimose

Die vorliegenden Texte, Bilder und Filme entstanden im Rahmen des Kurses „Bau und Entwicklung der Landpflanzen“ (WS05/06) am Institut für Syst. Botanik der Universität Zürich. Sie sind Teil des Web-Fensters „Pflanzen von nah gesehen“ des Botanischen Gartens der Universität Zürich. Ausgeführt wurde dieses Projekt von Susanne Auf der Maur. Bild- und Textmaterial dieser Website darf für nicht kommerzielle Zwecke bei Angabe der Quelle weiter verwendet werden. Die Nahaufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) wurden für dieses Projekt am Institut für Pflanzenbiologie (ebenfalls Universität Zürich) hergestellt. Kontaktperson für die Beantwortung von Fragen: Rolf Rutishauser.

Einleitung:

Dass Tiere auf Reize aus der Umwelt reagieren können, ist allen selbstverständlich. Dass aber auch Pflanzen dazu fähig sind, ist uns meist nicht bewusst. Im Subtropenhaus des Botanischen Gartens finden wir mit Mimosa spegazzinii eine echte Mimose (Familie Hülsenfrüchtler = Fabaceae), eine Art, die uns mit ihrer Fähigkeit, reversible Bewegungen auszuführen, überrascht. Ihr deutscher Name “Sinnpflanze” erhielt sie wohl deshalb, weil sie auf Berührung oder Erschütterung unmittelbar mit grossen und schnellen Bewegungen reagiert.

(Echte Mimose) reagiert auf Lichtstärke. Bei Tageslicht sind die Blätter völlig geöffnet und stehen rechtwinklig von den Fiederstrahlen ab. Bei Dämmerung klappen die Fiederblättchen zusammen und das ganze Blatt hängt nach unten.
Mimosen besitzen drei Arten von Blattgelenken (“Pulvini”). An der Basis jedes Blattstiels befindet sich ein Primärgelenk, an der Basis jedes Fiederstrahls ein Sekundärgelenk (violett) und an der Basis des einzelnen Fiederblättchens schliesslich ein Tertiärgelenk (gelb) REM-Bild, Massstab = 1mm
Detailaufnahme des Sekundärgelenks (REM) mit deutlichen Faltungs-“Wülsten”. Die Gelenke sind mit Borsten besetzt, von denen einige die Funktion von Fühlborsten haben. Diese wirken bei Berührung als Hebel, was die leichte Reizbarkeit der Blattunterseite erklärt. REM-Bild, Massstab = 0.4mm
Detailaufnahme des Tertiärgelenks an der Basis eines Blattfiederchen. Zu sehen sind die Ansätze von zwei nach unten hängenden Fiederchen. REM-Bild, Massstab = 0.4mm

Die Gelenke der Echten Mimose sind so konstruiert, dass die Primärgelenke das Blatt zur Sprossachse hin einklappen lassen, die Sekundärgelenke lassen die Fiederstrahlen sich annähern und die Tertiärgelenke schliesslich lassen die Fiederblättchen nach oben klappen

Erhitzt man mit einem brennenden Zündhölzchen die Spitze eines Fiederblattes, beginnen sich die Blättchen an der Spitze sofort eines nach dem anderen einzuklappen. Die Bewegung pflanzt sich fort bis zum Sekundärgelenk, worauf dieses ebenfalls einklappt. Daraufhin reagiert das Tertiärgelenk. Die Erholungsphase der Pflanze nach Hitzeschock oder Erschütterung dauert 15 - 60 Minuten. Dabei entfaltet die Pflanze ihre Blättchen langsam.