Orchideen

Orchideen mit kleinen Blüten

Scaphosepalum gibberosum
Bulbophyllum sp.
Lepanthes telipogoni

Die vorliegenden Texte und Bilder entstanden im Rahmen des Kurses „Bau und Entwicklung der Landpflanzen“ (WS05/06) am Institut für Syst. Botanik der Universität Zürich. Sie sind Teil des Web-Fensters „Pflanzen von nah gesehen“ des Botanischen Gartens der Universität Zürich. Ausgeführt wurde dieses Projekt von Seraina Stauffer & Kathrin Bacher. Bild- und Textmaterial dieser Website darf für nicht kommerzielle Zwecke bei Angabe der Quelle weiter verwendet werden. Die Nahaufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) wurden für dieses Projekt am Institut für Pflanzenbiologie (ebenfalls Universität Zürich) hergestellt. Kontaktperson für Fragen: Rolf Rutishauser.

Einleitung:

Die Orchideen sind mit über 20'000 Vertretern eine der artenreichsten Pflanzenfamilien. Ein Grund für die grosse Diversität mag in der Tatsache liegen, dass die Orchideenarten sich an die verschiedenartigsten Lebensräume der Erde und ganz unterschiedliche Bestäuber angepasst haben. In frostfreien Klimazonen leben viele Orchideen als Epiphyten. Sie gehören infolge ihrer bizarren Strukturen und leuchtenden Blüten zu den begehrtesten Pflanzen. Die Orchideen zeichnen sich durch folgende spezifische Merkmale aus:

  • Sie besitzen in der Regel nur ein fruchtbares Staubblatt: Nur die kleine Gruppe der Frauenschuh-Verwandtschaft hat noch zwei Staubblätter.
  • Staubfäden und Griffel sind zu einem einzigen Blütenorgan – der Säule – verwachsen.
  • Orchideen bilden in ihrem unterständigen Fruchtknoten zahlreiche, extrem kleine Samen ohne Nährgewebe.
  • Das dritte Kronblatt – das Labellum (Lippe) – unterscheidet sich meist deutlich von den anderen zwei Kronblättern.
  • Das Rostellum (Schnäbelchen) spielt als Klebscheibchen eine wichtige Rolle bei der Pollenübertragung.
  • Die Pollenkörner sind zu Paketen, den Pollinien, zusammengeballt, die meist als Ganzes übertragen werden.

Die Orchideen leben in fast allen Gebieten der Erde und stossen bis zu den Vegetationsgrenzen vor.

Blütenaufbau

Die typische Orchideenblüte ist bilateral-symmetrisch, d.h. eine imaginäre Linie durch die Mitte der Blüte würde diese in zwei spiegelgleiche Hälften teilen. Alle Orchideenblüten besitzen 6 Blütenhüllblätter (3 Kelch- und 3 Kronblätter). Die Kronblätter können mit der Säule oder den Kelchblättern verwachsen oder auch stark zurückgebildet sein. Das dritte Kronblatt bildet die Lippe, die sich deutlich von den andern beiden Kronblättern unterscheidet und am Ende oft mit einem nektarreichen Sporn versehen ist.

Griffel und Staubfäden sind meist so vollständig miteinander verschmolzen, dass sie nicht mehr zu unterscheiden sind. Das entstehende Blütenorgan wird als Säule bezeichnet.

Funktionsweise der Pollenübertragung durch Insekten

Durch olfaktorische und optische Signale werden die potentiellen Bestäuber von der Blüte angelockt. Sitzt nun ein Insekt auf der Lippe, wird es dazu verleitet, in den Sporneingang hineinzukriechen, um den süssen Nektar zu erreichen. Dabei berührt es den klebrigen Teil des Griffels dicht über dem Sporneingang. An seinen Körper heften sich die klebrigen Pakete mit Pollen (Pollinien). Fliegt das Insekt fort, stösst es mit den aufgeklebten Pollenpaketen gegen die weibliche Narbe der nächsten Orchidee.

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