Tropische Trockengebiete

Unser trockenstes Haus

Nirgends weisen Pflanzen eine so absonderliche Vielfalt von Wuchsformen auf wie in den trockenen Regionen der Tropen. Wassermangel hat zu verschiedenen Anpassungen geführt, die sich in der Morphologie der Pflanzen deutlich zeigen. Zum Wasserspeichern verwenden Pflanzen Blätter, Stämme oder Wurzeln. Bekannt sind Kakteen mit Stammsukkulenz oder Aloen mit Blattsukkulenz. Um ihre wasserhaltigen Organe von durstigen und hungrigen Tieren zu schützen, weisen viele Sukkulenten zusätzlich ein dichtes Stachelkleid auf. Stacheln, aber auch Haare und Schuppen dienen zudem als Sonnenschutz. Andere Pflanzen werfen bei Trockenstress ihre Blätter ab, während wiederum weitere vollkommen austrockenen können und erst bei Befeuchtung durch Regen oder Nebel in wenigen Stunden wieder zum Leben erwachen. Zu diesen wechselfeuchten Pflanzen gehören z.B. die bekannte Unechte Rose von Jericho (Selaginella lepidophylla), aber auch einige Farne und viele Bromelien aus der Gattung Tillandsia. Diese Pflanzen haben oft keine aktiven Wurzeln und nehmen Wasser und Nährstoffe direkt über Schuppen auf den Blattoberflächen auf.
Die Pflanzen in diesem Haus sind geographisch angeordnet. In der Mitte des Hauses finden sich afrikanische Vertreter, während eine ganze Seite den Amerikanern vorbehalten ist. Ein kleinerer Bereich zeigt die einzigartige Vielfalt trockenadaptierter Pflanzen aus Madagaskar, u.a. die als Zimmerpflanze beliebten Madagaskarpalmen (Pachypodium). An der tiefstgelegenen Seite des Hauses ist auf Terassen aus Lavagestein die Flora der Kanarischen Inseln zu sehen. Hier kann man u.a. viele nur auf den Kanaren vorkommende (endemische) Arten der Gattungen Aeonium, Euphorbia (Wolfsmilchgewächse) und Echium (Natternköpfe) sowie die Kanarenglockenblume (Canarina canariensis) bestaunen. Beim oberen Eingang gibt es eine neue Vitrine in diesem Haus. Auf der einen Seite werden Pflanzen aus den Wüsten des südwestlichen Afrikas, der Namib und Karoo, gezeigt. Hierzu gehören die Lebenden Steine (Lithops) und die einzigartige Welwitschia (Welwitschia mirabilis). Auf der anderen Seite der Vitrine können wir jetzt ganzjährig eine Auswahl fleischfressender Pflanzen wie diverse Sonnentau-Arten (Drosera), Fettkräuter (Pinguicula) oder Sumpfkrüge (Heliamphora) ausstellen.