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Naturheilpraktiker:innen als Fachpersonen der Erfahrungsmedizin
Naturheilpraktiker:innen sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil in der therapeutischen Landschaft der Schweiz. Als Fachpersonen im Gesundheitswesen liegt ihr Schwerpunkt auf Komplementär und Alternativ-Medizin. Heute sind ca. 2'500 Naturheilpraktiker:innen in allen Kantonen der Schweiz tätig, wobei in Appenzell Ausserrhoden aufgrund des kantonalen rechtlichen Rahmens ausserordentlich viele Naturheilpraktiker:innen tätig sind. Nach einem 15-jährigen Reglementierungsprozess wurde 2015 mit der Höheren Fachprüfung und dem eidgenössischen Diplom der Beruf mit den unterschiedlichen Schwerpunkten in TEN*, TCM*, Ayurveda oder Homöopathie auf einem einheitlichen Niveau etabliert. Diesen Behandlungs-Ansätzen aus traditionellen Medizinsystemen ist gemeinsam, dass Sie bei Behandlungsanlässen den Menschen ganzheitlich und in seinen vielfältigen Dimensionen wahrnimmt, behandelt, berät, begleitet und unterstützt. Dazu nimmt der/die Naturheilpraktiker:in eine medizinische Einschätzung vor, die sicherstellt, dass mit alternativmedizinischen Therapiemitteln ohne Gesundheitsgefährdung wirksam gearbeitet werden kann und dass die Patientinnen und Patienten kompetent durch verschiedene Krankheitsphasen geführt werden. *Traditionelle Europäische Naturheilkunde; Traditionelle Chinesische Medizin
Weiterführende Informationen zum Berufsbild Naturheilpraktiker:in
Schwerpunkt: TEN: Traditionelle Europäische Naturheilkunde
Die Traditionelle Europäische Naturheilkunde orientiert sich an den Medizintheorien der Antike (z.B. Hippokratische Texte, Werke von Galen), die bis in die Neuzeit Basis der Gelehrten Medizin Europas mit Einflüssen aus dem arabischen Raum (z.B. Texte von Avicenna) bildeten. Im Zentrum steht dabei die sogenannte «Humorallehre», wobei Beschwerden und Krankheiten als Ungleichgewicht der sogenannten vier Körpersäfte (Humores), nämlich Schleim, Blut, Gelb-Galle und Schwarz-Galle, verstanden wird. So werden zur Wiederherstellung des gesunden, individuellen Gleichgewichtes (Konstitution) Heilpflanzen, ausleitende Verfahren, Massagen, Wasseranwendungen sowie Ernährungs- und Lebensstilveränderungen gezielt eingesetzt.
- s. auch: https://emr.ch/methodeinfo/traditionelle-europaische-naturheilkunde-ten
- Zu den Schwerpunkten TCM, Ayurveda und Homöopathie sind im Schubladenkorpus der Ausstellung Objekte ausgestellt und Informationen zugänglich.
Pflanzenheilkunde
Pflanzen spielen in verschiedenen naturheilkundlichen Praktiken eine zentrale Rolle, wobei das Zusammenspiel der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft, und deren Qualitäten trocken, feucht, warm und kalt eine entscheidene Rolle spielen. Entsprechend der Konstitution der behandelten Personen werden die passenden Pflanzen aufgrund ihrer Qualitäten, Signaturen (äusseren Merkmalen) und geschmacklichen Eigenschaften (bitter, sauer, süss, aromatisch) gewählt. Wobei auch die Kenntnis der modernen Phytotherapie im Hinblick auf die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe und deren belegten Wirkungen berücksichtigt werden. An Zubereitungen werden Tees, Tinkturen, Pulver, Tabletten oder äusserlich Salben, Bäder und Waschungen verabreicht. Als Spezialgebiete der erweiterten Pflanzenheilkunde gelten:
- Spagyrik, die mit Pflanzen -Extrakten arbeitet, die unter alchemischen Gesichtspunkten hergestellt wurden
- Gemmotherapie, die mit Extrakten aus Blüten- und Blattknospen von Bäumen und Sträuchern arbeiten
- Bachblüten (Aussprache , die Wasserauszüge von verschiedenen charakteristischen Blüten nach ausführlichem Beratungsgespräch eingesetzt werden.
- Aromatherapie, die ätherische Öle (Pflanzenduftstoffe) gezielt zur Regulation über den Geruchssinn z.B. durch Inhalation, Raumbeduftung oder die Aufnahme über die Haut durch Einreibungen und Bäder nutzt.
Zum Methoden-Spektrum der TEN gehören ausserdem typischerweise:
- Ausleitende Verfahren, die den Körper beim Ausscheiden überschüssiger Stoffe unterstützen. Dazu zählen Fastenkuren, Schröpfen, Aderlass, Blutegeltherapie sowie harntreibende, schweisstreibende oder abführende Massnahmen.
- Diätetik mit Ernährungs- und Lebensführungsmassnahmen, die die Selbstregulation des Körpers unterstützen sollen. Dazu gehören eine angepasste Ernährung, Bewegung, Ruhe, Schlaf und der bewusste Umgang mit Belastungen.
- Physikalische Verfahren, die mit Wärme- und Kältereizen arbeiten wie beispielsweise die Anwendungen von Wickeln und Kompressen oder die Kneipschen Wasseranwendungen. Diese Methoden beeinflussen den Wärmehaushalt und verbinden die körperliche Wirkung mit Ruhe und menschlicher Zuwendung.
Die obengenannten naturheilkundlichen Methoden werden auch in den weiteren traditionellen Medizinsystemen TCM und Ayurveda eingesetzt oder kommen häufig auch in der allgemeinen Pflegepraxis in Langzeitpflege, Rehabilitation, Psychiatrie u.a. zur Anwendung.
Ein umfassender Einblick in weitere Methoden der Erfahrungsmedizin ist zu finden unter:
https://emr.ch/methodinfo
Institutionen der Integrativen Medizin arbeiten ebenfalls mit Kombinationen aus konventionellen und komplementärmedizinischen Methoden
https://integrative-kliniken.ch/integrative-medizin/